Meine Dienstzeit · 1986

Neun Monate
auf der Elbe

7. Schnellbootgeschwader · Kiel

Auf See und
in fremden Häfen

Bordleben · Tender Elbe A61

Kameraden und
das Leben an Bord

01. Januar 1986 – Ende September 1986

„Wie erträgt man das Leben mit 17 weiteren Kameraden in einem Deck?
Wie kann man sich einordnen, ohne unterzugehen?"

Als ich in der Mitte der 80er Jahre meinen Wehrdienst ableistete, betrug die Dauer noch 15 Monate. Diejenigen, die im Quartal nach mir kamen, mussten bereits 18 Monate ableisten. Für viele angehende Matrosen war es daher eine gute Alternative, gleich noch ein halbes Jahr draufzulegen und sich für zwei Jahre zu verpflichten. Daher sind einige der Freunde, die an den Marinetreffen an Pfingsten teilnehmen, Zeitsoldaten.

Minimum verbrachte man neun Monate an Bord. Das lohnte sich: Mindestens eine größere Fahrt konnte man in dieser Zeit miterleben. In den Hafenliegezeiten war es gelegentlich etwas dröge — auf See überaus imposant. Neben der See, den Eindrücken fremder Länder und dem Miteinander an Bord war es vor allem auch eine Zeit, in der man eigene Grenzen kennenlernte.

Viele Fragen, auf die man an Bord rasch eine Antwort bekommt. Daneben gibt es viele positive Erlebnisse, die aus der Gemeinschaft erwachsen. Und — unter uns — die Feste waren gigantisch. Aber da muss man wohl dabei gewesen sein.

Die Grundausbildung

Die Grundausbildung dauerte seinerzeit so lang wie die letzte Wehrdienstdauer insgesamt — nämlich sechs Monate. Drei Monate bekam man den Schliff, weitere drei Monate kam die fachliche Ausbildung dazu. In meinem Fall hieß das: zunächst die Grundi in Eckernförde, anschließend drei Monate Flensburg.

Alles begann mit einer etwas — na, sagen wir mal — einfach gehaltenen Postkarte, die mir eines Tages in den Briefkasten flatterte. Der Einberufungsbescheid. Lakonisch wie ein Bordfunkspruch.

„Der 1. Zug der 1. Kompanie sang das Lied ›Schwer mit den Schätzen‹. Vielleicht kennt es ja der ein oder andere."

Während der Grundausbildung das Übliche: Schießen, marschieren und Wache gehen. Insgesamt war es eine harte Zeit, gelegentlich auch ein wenig Schikane. Selten fanden wir den Weg in die Stadt, nur sehr selten den zum Strand. Die Kaserne war der Mittelpunkt. Man, was haben wir Reinschiff betrieben!

Und immer der Druck, den Zug noch zu erwischen, damit sich die Fahrt ins Wochenende überhaupt noch lohnt. Nunja — am Ende schaut man doch lächelnd auf die Zeit zurück. Was waren wir jung.

Der Einberufungsbescheid

Der Anfang von allem — der Einberufungsbescheid.

Essensmarken

Mahlzeit, Erste!

Essensmarken 2

Die Marke als Währung.

Die Roten

Die Roten — Jahrgangsbilder aus der Grundausbildung.

Deck III-Z-2

Im Deck III-Z-2 lebten 18 junge Männer auf engstem Raum. In Dreierkojen übereinander. Die Koje — 200 × 90 Zentimeter — und der Spind: das gehört dir. Alles andere wird im Deck geteilt.

Die Belüftungsanlage läuft rund um die Uhr. Man gewöhnt sich an alles. Geräusche gab es ständig. Privatsphäre ist eigentlich nur hinter dem zugezogenen Vorhang vorhanden. Das Leben an Bord war ein öffentliches Leben. Auf Seefahrt kommt man nach der Schicht ins Deck, legt sich hin — und schläft.

Quer durchs Deck verlaufen allerlei Versorgungsrohre und Leitungen. Die Achtere lässt grüßen! Zu unserer Zeit mussten die Heizer immer noch Ronde gehen. Alle zwei, drei Stunden kamen sie, um nach dem Rechten zu schauen.

Bei der Einrichtung der Spinde musste man etwas Organisationstalent an den Tag legen. Alles, was man zum Leben an Bord benötigte, musste in dem kleinen Schränkchen Platz finden. Irgendwie ging es.

18 Mann im Deck
200×90 cm Koje
24/7 Belüftung
Blick ins Deck III-Z-2 Blick ins Deck III-Z-2
Versorgungsrohre quer durchs Deck Versorgungsrohre quer durchs Deck
Der Spind — persönliches Reich an Bord Der Spind — persönliches Reich an Bord
Elbe im Trockendock
Elbe trockengelegt

Das Trockendock

Liebevoll wurde der Tender zu meiner Zeit auch Tender „Beule" genannt. Immer mal wieder kam es zu kleineren Unfällen bei Schleusendurchfahrten oder Anlege-Manövern.

Ein größeres Missgeschick zwang uns schließlich zu einer Zwangspause. Nachdem bei einem Auslaufmanöver ein Tau in die Schraube gekommen war, ruckelte der Tender bei hoher Geschwindigkeit bedenklich. Also ins Dock und nachschauen. Wir bekamen eine neue Schraube — danach war der Tender nicht mehr ganz so flott.

Dennoch blieb mir die Werftliegezeit in guter Erinnerung, wenngleich auch das Wachegehen stark nervte. Ein Großteil der Besatzung konnte aufgrund einer Magen- und Darm-Geschichte nicht eingesetzt werden.

Die Elbe im Trockendock — ein ungewohnter Anblick für jeden Seemann.

Lenzen an Oberdeck

Gerade in der Hafenliegezeit — oder auch in der Werftliegezeit — war Dienstausscheiden meist recht früh. Danach traf man sich, um mit Kameraden an Oberdeck den Feierabend einzuleiten. Der Hähnchenwagen war stets willkommen, und Sportveranstaltungen haben wir am TV nie ausgelassen.

Ausscheiden mit Dienst Ausscheiden mit Dienst!
Achterdeck Achterdeck!
Lenzen Lenzen…

„Das Achterdeck — Bühne für alles, was nach dem Dienst zählte."

Die Feste

Ob es das Einlaufbier ist, das Ankerbier am Abend auf der Schanz, ein kühles Blondes im Auslandshafen oder aber das Bier zum Abschied — Geselligkeit wird an Bord großgeschrieben.

Verabschiedung Die Verabschiedungen fielen stets besonders herzlich aus!
Einlaufbier Einlaufbier in fremdem Hafen…
Der Anfang Der Anfang…
Prost Matrosen Prost Matrosen!
Die Achtere Fester Bestandteil jeder Feier: Die Achtere.

„Die Feste waren gigantisch. Aber da muss man wohl doch dabei gewesen sein."

Seefahrts­romantik

Soviel Zeit muss sein. Auch wenn es sich der Außenstehende kaum vorstellen kann, lässt die Bundeswehrzeit an Bord stets auch Zeit für ein wenig Romantik. Das Abenteuer Seefahrt zeigt sich dann von seiner besten Seite.

Die Nordsee bei Windstärke 6, das Glitzern des Kieler Förde am frühen Morgen, ein Sonnenuntergang irgendwo zwischen Schottland und Dänemark — solche Momente brennen sich ein. Sie sind der stille Kern dieser Zeit, der bleibt, wenn die Uniform längst im Schrank hängt.

Auf See
Fahrt 2
Fahrt 3
Gischt
Romantik 2
Seefahrtsromantik

Bold Game 1986

Das Manöver führte uns unter anderem nach Dänemark und Norwegen. Hier waren neben den landschaftlichen Besonderheiten besonders die nächtlichen Eindrücke nachhaltig. Eine Nacht an Bord eines Schiffes im Fjord zu verbringen hat wirklich etwas — auch wenn die zweite Wache in die Knochen geht.

Unvergesslich ist mir die Fahrt nicht zuletzt aufgrund eines Vorfalls, der sich beim Überbringen eines Ersatzteiles an die Freiburg ereignete. Wir setzten mit dem Kutter über, überbrachten das Teil und fuhren zurück, als sich von den Bergen der Nebel mit rasender Geschwindigkeit auf dem Wasser ausbreitete. Die Suppe wurde dicker und dicker. Dies wurde zu einem weit größeren Problem, als wir bemerkten, dass wir ohne Kompass losgefahren sind. Nur über mein Kutterfunkgerät standen wir in Verbindung mit dem Tender. Das waren aufregende Momente — und schließlich kamen wir heil am Tender an. So soll das sein.

Die Bundesmarine absolvierte das Manöver Bold Game zusammen mit norwegischen und dänischen Schnellbooten, um ein gemeinsames Vorgehen einzuüben.

Fahrt Auf Fahrt
Bergen Bergen
Einsamkeit Einsamkeit
Funkraumbesatzung Funkraumbesatzung
Versorger Freiburg Versorger Freiburg
Bold Game Bold Game
Norwegen Norwegen
Gruppenbild Pfingsttreffen

Kameraden — damals wie heute.

Das Pfingsttreffen

Jedes Jahr aufs Neue ist Pfingsten der Höhepunkt. Seit mehr als 35 Jahren treffen wir uns jedes Jahr an Pfingsten und sprechen über die alten Zeiten, das Leben und den Rest. Die Treffen finden jedes Jahr an einem anderen Ort statt — von München bis Kiel.

Was bleibt von einer Dienstzeit? Die Kameraden. Nicht die Uniformen, nicht die Dienstgrade, nicht die Manöver. Die Menschen, mit denen man in einem Deck geschlafen, gegessen, gelacht und gestritten hat. Das ist das Kapital, das sich mit den Jahren nicht entwertet — im Gegenteil.

Wenn wir uns an Pfingsten treffen, braucht es keine große Aufwärmphase. Man ist sofort wieder dort, wo man aufgehört hat.

⚓ Seit über 35 Jahren jährliches Treffen · Von München bis Kiel

Dies und Das

Dokumente, Raritäten, Erinnerungsstücke — was übrig bleibt, wenn man die Schublade aufzieht und in die Zeit zurückreist.

Ende mit Dienst
Ende mit Dienst Der letzte Wachdienst.
Rollenkarte
Meine Rollenkarte Position an Bord im Ernstfall.
Landgang Dänemark
Landgang in Dänemark Freier Nachmittag im Auslandshafen.
Reserve hat Ruh
Reserve hat Ruh' Ende September 1986.