„Wie erträgt man das Leben mit 17 weiteren Kameraden in einem Deck?
Wie kann man sich einordnen, ohne unterzugehen?"
Als ich in der Mitte der 80er Jahre meinen Wehrdienst ableistete, betrug die Dauer noch 15 Monate. Diejenigen, die im Quartal nach mir kamen, mussten bereits 18 Monate ableisten. Für viele angehende Matrosen war es daher eine gute Alternative, gleich noch ein halbes Jahr draufzulegen und sich für zwei Jahre zu verpflichten. Daher sind einige der Freunde, die an den Marinetreffen an Pfingsten teilnehmen, Zeitsoldaten.
Minimum verbrachte man neun Monate an Bord. Das lohnte sich: Mindestens eine größere Fahrt konnte man in dieser Zeit miterleben. In den Hafenliegezeiten war es gelegentlich etwas dröge — auf See überaus imposant. Neben der See, den Eindrücken fremder Länder und dem Miteinander an Bord war es vor allem auch eine Zeit, in der man eigene Grenzen kennenlernte.
Viele Fragen, auf die man an Bord rasch eine Antwort bekommt. Daneben gibt es viele positive Erlebnisse, die aus der Gemeinschaft erwachsen. Und — unter uns — die Feste waren gigantisch. Aber da muss man wohl dabei gewesen sein.
Kapitel I
Die Grundausbildung dauerte seinerzeit so lang wie die letzte Wehrdienstdauer insgesamt — nämlich sechs Monate. Drei Monate bekam man den Schliff, weitere drei Monate kam die fachliche Ausbildung dazu. In meinem Fall hieß das: zunächst die Grundi in Eckernförde, anschließend drei Monate Flensburg.
Alles begann mit einer etwas — na, sagen wir mal — einfach gehaltenen Postkarte, die mir eines Tages in den Briefkasten flatterte. Der Einberufungsbescheid. Lakonisch wie ein Bordfunkspruch.
Während der Grundausbildung das Übliche: Schießen, marschieren und Wache gehen. Insgesamt war es eine harte Zeit, gelegentlich auch ein wenig Schikane. Selten fanden wir den Weg in die Stadt, nur sehr selten den zum Strand. Die Kaserne war der Mittelpunkt. Man, was haben wir Reinschiff betrieben!
Und immer der Druck, den Zug noch zu erwischen, damit sich die Fahrt ins Wochenende überhaupt noch lohnt. Nunja — am Ende schaut man doch lächelnd auf die Zeit zurück. Was waren wir jung.
Blick ins Deck III-Z-2
Versorgungsrohre quer durchs Deck
Der Spind — persönliches Reich an Bord
Kapitel III
Liebevoll wurde der Tender zu meiner Zeit auch Tender „Beule" genannt. Immer mal wieder kam es zu kleineren Unfällen bei Schleusendurchfahrten oder Anlege-Manövern.
Ein größeres Missgeschick zwang uns schließlich zu einer Zwangspause. Nachdem bei einem Auslaufmanöver ein Tau in die Schraube gekommen war, ruckelte der Tender bei hoher Geschwindigkeit bedenklich. Also ins Dock und nachschauen. Wir bekamen eine neue Schraube — danach war der Tender nicht mehr ganz so flott.
Dennoch blieb mir die Werftliegezeit in guter Erinnerung, wenngleich auch das Wachegehen stark nervte. Ein Großteil der Besatzung konnte aufgrund einer Magen- und Darm-Geschichte nicht eingesetzt werden.
Kapitel IV
Gerade in der Hafenliegezeit — oder auch in der Werftliegezeit — war Dienstausscheiden meist recht früh. Danach traf man sich, um mit Kameraden an Oberdeck den Feierabend einzuleiten. Der Hähnchenwagen war stets willkommen, und Sportveranstaltungen haben wir am TV nie ausgelassen.
Ausscheiden mit Dienst!
Achterdeck!
Lenzen…
„Das Achterdeck — Bühne für alles, was nach dem Dienst zählte."
Kapitel V
Ob es das Einlaufbier ist, das Ankerbier am Abend auf der Schanz, ein kühles Blondes im Auslandshafen oder aber das Bier zum Abschied — Geselligkeit wird an Bord großgeschrieben.
Die Verabschiedungen fielen stets besonders herzlich aus!
Einlaufbier in fremdem Hafen…
Der Anfang…
Prost Matrosen!
Fester Bestandteil jeder Feier: Die Achtere.
„Die Feste waren gigantisch. Aber da muss man wohl doch dabei gewesen sein."
Kapitel VII
Das Manöver führte uns unter anderem nach Dänemark und Norwegen. Hier waren neben den landschaftlichen Besonderheiten besonders die nächtlichen Eindrücke nachhaltig. Eine Nacht an Bord eines Schiffes im Fjord zu verbringen hat wirklich etwas — auch wenn die zweite Wache in die Knochen geht.
Unvergesslich ist mir die Fahrt nicht zuletzt aufgrund eines Vorfalls, der sich beim Überbringen eines Ersatzteiles an die Freiburg ereignete. Wir setzten mit dem Kutter über, überbrachten das Teil und fuhren zurück, als sich von den Bergen der Nebel mit rasender Geschwindigkeit auf dem Wasser ausbreitete. Die Suppe wurde dicker und dicker. Dies wurde zu einem weit größeren Problem, als wir bemerkten, dass wir ohne Kompass losgefahren sind. Nur über mein Kutterfunkgerät standen wir in Verbindung mit dem Tender. Das waren aufregende Momente — und schließlich kamen wir heil am Tender an. So soll das sein.
Die Bundesmarine absolvierte das Manöver Bold Game zusammen mit norwegischen und dänischen Schnellbooten, um ein gemeinsames Vorgehen einzuüben.
Auf Fahrt
Bergen
Einsamkeit
Funkraumbesatzung
Versorger Freiburg
Bold Game
Norwegen
Kameraden — damals wie heute.
Kapitel VIII
Jedes Jahr aufs Neue ist Pfingsten der Höhepunkt. Seit mehr als 35 Jahren treffen wir uns jedes Jahr an Pfingsten und sprechen über die alten Zeiten, das Leben und den Rest. Die Treffen finden jedes Jahr an einem anderen Ort statt — von München bis Kiel.
Was bleibt von einer Dienstzeit? Die Kameraden. Nicht die Uniformen, nicht die Dienstgrade, nicht die Manöver. Die Menschen, mit denen man in einem Deck geschlafen, gegessen, gelacht und gestritten hat. Das ist das Kapital, das sich mit den Jahren nicht entwertet — im Gegenteil.
Wenn wir uns an Pfingsten treffen, braucht es keine große Aufwärmphase. Man ist sofort wieder dort, wo man aufgehört hat.
Kapitel IX
Dokumente, Raritäten, Erinnerungsstücke — was übrig bleibt, wenn man die Schublade aufzieht und in die Zeit zurückreist.