»Es war der kälteste Winter seit langer Zeit, selbst die Förde fror zu. Schließlich bezog ich meine Koje in Deck III/Z2. Von nun an war ich Teil der Besatzung von Tender Elbe.«
— Uwe Müller, Bordzeit 1986
Nach sechsmonatiger Grundausbildung in Eckernförde und Flensburg kam die Versetzung auf den Tender Elbe. Die ersten Schritte im Kieler Hafen, neue Bilder und Gerüche – bis heute ist der Geruch laufender Dieselmotoren unvergessen.
So ziemlich das erste, was ausgehändigt wurde, war das Inventarverzeichnis. Lange Zeit galt die Elbe als schnellster Tender der Flotte. Auf dem Foto eines Kameraden liegt sie auf See – je zwei Schnellboote längsseits, Flaggenschmuck aufgezogen.
Die Schiffsglocke hat an Bord eines Kriegsschiffes einen hohen symbolischen Stellenwert. Sie ist mehr als ein Zeitmesser – sie ist die Stimme des Schiffes, das Zeichen der Bordgemeinschaft und ein Stück Marine-Tradition, das über die Jahrzehnte unvergessen bleibt.
Ein seltenes Foto bewahrt das Bild der Glocke vom Tender – ein kleines, aber bedeutendes Dokument der Geschichte dieses Schiffes.
Im Kieler Hafen lag unser Schiff an der Weddigen-Brücke – benannt nach U-Boot-Kommandant Otto Weddigen. Ein historischer Liegeplatz für ein Schiff mit Geschichte.
Die Kaimauer und die Anlegemanöver gehörten zum Bordalltag. Die Bilder zeigen den Tender an seiner gewohnten Heimat.
Der Tender auf einem offiziellen Foto bei der Kanaldurchfahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal – eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt und für die Marine alltägliche Route.
Die Schleusen in Brunsbüttel, die flachen Ufer, gelegentlich ein Winken von der Schleusenbrücke. Für viele Besatzungsmitglieder einer der friedlichsten Momente des Bordlebens.
Jedes Jahr wieder ein ganz besonderer Höhepunkt: das große Fest an der Kieler Förde. Im Jahr 1986 kam gar ein großes amerikanisches Schlachtschiff zu Besuch, konnte aber aufgrund seines Tiefganges nicht in die Förde einfahren. Ansonsten waren die Anlegestellen gefüllt bis auf den letzten Platz.
Schiffe aus aller Herren Länder legen in Kiel an, Menschenströme ergießen sich über die Decks. Reinschiff und 1. Geige sind selbstverständlich. Flaggenschmuck und Lichterketten sorgen für ein unvergessliches Ambiente.
»Das Meer verbindet die Menschen – die Kieler Woche macht es sichtbar.«
Bilder zu diversen Arbeitsbereichen der dritten Division an Bord – von der Brücke bis zum Funkraum, vom Operationszentrum bis zum Plotter.
In einer eingestaubten Kiste fand sich noch ein Ausdruck der Einsätze von Tender Elbe 1986. Leicht ramponiert, aber zu wertvoll zum Wegwerfen – beim Schriftbild wird man sentimental. Man hört direkt die Lochstreifen durchlaufen.
Vielleicht erinnert sich der eine oder andere. Ob der Einsatz im Februar tatsächlich stattfand, ist nicht mehr sicher – die Erinnerung, dass die Förde eingefroren war, ist geblieben. Aber wann genau?
Lange hat man befürchtet, der Tender würde verschrottet. Die gängigste Theorie an Bord: Verkauf als Raketenziel. Nichts Genaues wusste man nicht. Bei manchem Besuch auf einem Schiffsfriedhof hielt man stets Ausschau nach einem Tender.
Dann ein erster Hinweis auf eine neue Spur – in einem Buch fand sich der entscheidende Eintrag.
Nach ihrer Außerdienststellung 1992 wurde Tender ELBE an die türkische Marine verkauft. Unter der Bezeichnung Cezayirli Gazi Hasan Paşa (A 579), versehen mit neuer Flagge, durchpflügt die alte Dame die Wellen. Die Elbe lebt weiter – unter fremder Flagge, aber dieselbe alte Seele.
Am 5. Juni 2024 wurde die Cezayirli Gazi Hasan Paşa in einer feierlichen Zeremonie an der Marineakademie in Tuzla bei Istanbul endgültig außer Dienst gestellt. Mehr als 30 Jahre hatte sie als Schulschiff der türkischen Marine gedient und Generationen von Kadetten ausgebildet. Damit ist die Geschichte unserer Elbe nach über sechs Jahrzehnten auf See zu Ende gegangen.
Foto: Chrumps, Venedig 2014 · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons